Mayer, Günter: Über die musikalische Integration des Dokumentarischen. - In: Bericht über den Internationalen Musikwissenschaftlichen Kongreß Leipzig 1966. - Kassel, Basel (usw.): Bärenreiter; Leipzig: VEB Dt. Verl. f. Musik 1970, S. 351-357.
Tendenz zum Dokumentieren und zur künstlerischen Integration von Dokumenten verschiedener Art ist eine allgemeine Erscheinung der Umfunktionierung der Kunst im frühen 20. Jahrhundert wie in der Gegenwart. Als wesentlich wird die politisch-progressive realistische Kunstpraxis besonders des etischen und dokumentarischen Theaters (Brecht) hervorgehoben, sowie die Wirkung des dokumentierenden Charakters der etischen Darstellungsweise und der künstlerischen Integration von authentischen Text- und Bilddokumenten auf die Struktur und Funktion nicht nur der Bühnen- und Filmmusik (Eisler, Dessau u.a.), Infolge der Spezifik der akustischen Sphäre ist die Musik zur künstlerischen Integration von "klingenden" Dokumenten weniger geeignet, da die "akustische Fotografie" in bezug auf die genaue, identifizierbare Abbildung von sozial-historisch wesentlichen Tatsachen äußerst unscharf bleibt. Dennoch können (wie bei Nono) in der zunehmenden ästhetischen Aneignung der Geräuschsphäre akustische "Quasi-Dokumente" (konkretes Material) im Notwendigkeitszusammenhang der künstlerischen Gestaltung, meist in Verbindung mit anderen Künsten, aufgehoben und realistischen Intentionen untergeordnet werden.
Personen
- Günter Mayer Autor*in