Bericht 1972

Eintrag 61

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

Zum Bericht 1972

Goldhan, Wolfgang: Felix Mendelssohn Bartholdys Lieder für gemischten Chor und Männerchor. - Ms., ungedr., Berlin 1972, 13 S.

Mendelssohn schuf in seinem letzten Lebensjahrzehnt ca. 50 Lieder für vier Singstimmen auf Texte zeitgenössischer Dichter, davon über 20 Männerchöre, obwohl er gegen diese Gattung Abneigung hegte. An Hand der Analysen von Melodie, Harmonie, Satztechnik und Textvorlagen im Vergleich mit den politischen und künstlerischen Zeitströmungen werden Überlegungen angestellt, welches die äußeren und inneren Triebkräfte waren, die den Komponisten veranlaßten, Chorlieder zu schreiben. Aus der Untersuchung ergibt sich folgendes: Die Lieder für vier Singstimmen stellten für Mendelssohn ein Bindeglied zwischen den Forderungen der Zeit nach Gemeinschaftsbildung sowie musikalischer Volksbildung und der Sehnsucht nach Geborgenheit dar, wie sie der Komponist in der Harmonie seiner Jugendjahre erlebt hatte. Diese Ideale wollte er in eine andere, neue Konflikte hervorbringende Zeit transformieren und seinen Zeitgenossen als praktischen Beitrag zu Reformen im gesellschaftlichen und musikalischen Leben entgegenstellen.

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