Bericht 1972

Eintrag 179

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

Artikel
Zum Bericht 1972

Mayer, Günter: Hegel und die Musik. - In: Beiträge zur Musikwissenschaft. 13 (1971), S. 152-173.

Hegels Auffassung von Musik als "idealischer" Kunstform bezieht ihren Maßstab vom klassizistisch interpretierten antiken Schönheitsideal, Damit ließ sich jene Musik, "die die kapitalistische Gesellschaft vom revolutionären Ideal her kritisch und zugleich kompositorisch neuartig, weiterführend reflektierte, nicht oder nur unzureichend erfassen. Für Hegel ging die 'idealische Musik' nur bis Mozart." Nichtsdestoweniger gelingt es ihm, dialektische Bezüge zwischen einzelnen Dimensionen musikalischer Struktur und die Dialektik musikalischer Prozesse freizulegen. Zugleich strebt Hegel durch Hervorhebung der schöpferischen Rolle des kompositorischen Subjekts die Überwindung der mechanistischen Nachahmungsästhetik an. Subjektivität wird jedoch nicht individuell relativiert, sondern in ihrer historisch spezifischen, von "besonderen Verhältnissen" (Hegel) geprägten überindividuellen Charakteristik bestimmt. Damit werden in Hegels Ästhetik Ansätze zu einer dialektisch-deterministischen Abbild-Theorie sichtbar, die Musik als Produkt geistig-tätiger Aneignung der Wirklichkeit faßt.

Personen

Orte