Thiel, Wolfgang: Aufgaben und Möglichkeiten der Musik in Gegenwartsfilmen des Deutschen Fernsehfunks. - In: Musik und Gesellschaft. 22 (1972), S. 592-598.
Die Verwendung von Musik im Film wurzelt seit den Anfängen in einem komplizierten Geflecht artifizieller Traditionen, circensischer Konventionen, technischer Erfordernisse, vulgär-psychologisierender und kommerzieller Erwägungen. Modus und Funktion der eingesetzten Musik widerspiegeln innerhalb jeder Filmgattung über die spezifischen musikalisch-ästhetischen Kategorien Aspekte des jeweiligen Welt- und Menschenbildes der Autoren. Bisherige Filmmusikgeschichte zeigt hinsichtlich Gestaltung und Aufgabenbereich der meisten Partituren die Dominanz jener ästhetischen Modelle, die nach Heinrich Besseler keine synthetisch-aktive Rezeptionshaltung, sondern Hingabebereitschaft eines passiv lauschenden Hörers verlangen. Die Musikautoren beim Fernsehfilm der DDR stehen vor der bisher nur in Einzelfällen bewältigten Aufgabe, solche filmmusikalischen Gestaltungsmethoden zu erproben, die die Dramaturgie und intendierte Aussage des zeitgenössischen Fernsehfilms effektiv unterstützen. Eine Analyse der Vor- und Abspannmusiken Günter Kochans zum mehrteiligen Fernsehfilm "Die Verschworenen" belegt die dramaturgisch überzeugende Nutzung der genrespezifisch neuartigen Möglichkeit einer aus der Fabelentwicklung sich ableitenden evolutionären thematisch-motivischen Arbeit.
Personen
- Wolfgang Thiel Autor*in