Viertel, Karl-Heinz: Beethovens Oper "Leonore". - In: Bericht über den Internationalen Beethoven-Kongreß 10.-12. Dezember 1970 in Berlin. - Berlin: Verlag Neue Musik 1971. S. 291-299.
Ausgehend von dem Tatbestand, daß Beethoven keineswegs theaterfremd war, als er seine Oper "Leonore" zu komponieren begann, daß er seit seiner Bonner Jugendzeit über praktische Theatererfahrung verfügte, wird versucht, die in ihrer Zeit bewußtseinsbildende Funktion der "Leonore" ins rechte Licht zu rücken. Dies wird im überaus realistischen Schlußfinale der Oper deutlich, in dem sich auch das Epochedenken Beethovens am klarsten manifestiert. Aber auch innerhalb der Fabelführung der Erstfassung gibt es gegenüber dem "Fidelio" einige wichtige Punkte, die für die Personencharakteristik von Bedeutung sind. "Leonore" ist keineswegs eine "Vorstufe" zum "Fidelio", sondern ein in sich geschlossenes künstlerisch vollgültiges Werk, dessen Wiedergeburt auf dem Operntheater unserer Zeit eine echte Bereicherung darstellte.
Personen
- Karl-Heinz Viertel Autor*in