Gülke, Peter: Schallplattenmosaik. Erlebtes oder photographiertes Konzert? Überlegungen zum Standort der Schallplatte. - In: Musik und Gesellschaft. 23 (1973), S. 218-225.
Im Vergleich mit dem Musizieren und der Rezeption im Konzert wird versucht, Eigenarten der Schallplattenmusik und ihrer Rezeption zu definieren. Kritisiert wird die Gegenüberstellung von "lebendiger" Musik und "Konserve". Dem allseitigen kommunikativen Erlebnis im Konzert steht die "einkanalige" Übermittlung der Platte gegenüber, die keine intentionalen Überschüsse über das Klingende hinaus erlaubt. Der Einmaligkeit steht Wiederholbarkeit, dem Prozeß der Herstellung der Musik die Entgegennahme von dessen Ergebnis gegenüber. Die spezifische Nähe des Schallplattenhörers zur Musik eröffnet besondere Möglichkeiten der Rezeption, schließt bei der Oper Orientierung auf szenische Illusion weitgehend aus und erlaubt, die musikalische Wertigkeit (stärker szenische oder "absolute" Musik in der Oper, Teilwiederholungen klassischer Formen) zu definieren und wahrzunehmen. Ohne die "Erfolgszwänge" des Konzerts ist die Platte freier in der Repertoirewahl und kann besonders jenen Bereichen gerecht werden (Kammermusik, Alte Musik), die das Konzert zu wenig oder gar nicht erfaßt.
Personen
- Peter Gülke Autor*in