Rohloff, Ernst: Gedanken zu "Neidharts Sangweisen". (Depot-Information). - In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 22 (1973), S. 51-52. = Gesellschafts- u. sprachwissenschaftliche Reihe.
Fußend auf 'Neidharts Sangweisen' (Abhandlungen der Sachs. Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, phil.-hist. Klasse, Bd. 52, H. 3-4; Berlin: Akademie-Verlag 1962; Abkürzung I,II) wird zum Fragenkomplex und zur Kritik Stellung genommen. Durch die hier erstmalige Einbeziehung sämtlicher Strophen eines Liedes in den MelodieZusammenhang sprang eine für neuzeitliche Formbegriffe erstaunliche Freizügigkeit der Melodienoten an den Enden bzw. Anfängen der Textzeilen nach rechts bzw. links ('Wandernote') und auch der Akzent (am Anfang gewisser Textzeilen bei Ausfall des Auftaktes) nach links ('Wanderakzent') in die Augen. Daraus erwuchs die vom Verfasser aufgestellte Melodieregel (I 49). - Bezüglich des Rhythmus' wird ein ursprünglicher, zeitlich irrationaler Wortimpetus vermutet, der dennoch in der Verskunst die metrischen Grundschemata durchschimmern läßt. Später in einem Tanzgesang durch die Taktmühle (I 37) gedreht, werden die Melodien mit ihren Texten schwerlich den Weg zum Sprechgesang zurückfinden. - Ferner wurde erkannt, bei metrischer Umklammerung des Wortes, eine Aufschwellung einzelner Silben zum Zeitwert eines Taktschrittes (I 38-39), einerseits bei Liquidien (1, r) und Nasalen (m, n) und vermittels der Sproßvokale e und (seltener) i, andererseits bei den Diphtongen ie, uo, üe durch Klangspaltung (Diphtongspaltung), weiterhin bei der musikalischen Norm die Erscheinung des tonartlichen Fluktuierens um die tonale Basis (I 46, 48), feiner die Sekundschwelle (limen), die modulatorische Abwandlung am Strophenende als federndes Sprungbrett, die Wechselfinalis in der Pentatonik, das Variantenprinzip bei melodischer Raffung und Auswalzung u. a. m. - Kritik überwiegend positiv. Eingehende Antwort auf die Rezensionen von Lomnitzer, Bertau und Kur.
Personen
- Ernst Rohloff Autor*in