Bericht 1973

Eintrag 337

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

Diss. A
Zum Bericht 1973

Steude, Wolfram: Untersuchungen zur Herkunft, Verbreitung und spezifischem Inhalt mitteldeutscher Musikhandschriften des 16. Jahrhunderts. [1.2.] - Rostock, Diss. A, 1973. [1.] 121 S.; [2.] 502 S.

Ausgangspunkt bildet die Feststellung, daß die Musikhandschriften Dresden Mus. 1-D-3 und 1-D-4, Zwickau Ms. 81,2 und 1o6,5 und Budapest Bártfa 22 und 23 von einem Schreiber ganz oder größtenteils stammen. Zahlreiche Kriterien in ihnen weisen auf Wittenberg als Entstehungsort hin. Mit ihrem Repertoire wird dasjenige der Musikhandschriften Zwickau 73 (Schalreuter-Handschrift), Regensburg, Proskebibliothek AR 940/41 und von 5 Sammeldrucken Georg Rhaws verglichen (alle sind im Wittenberger Raum entstanden) unter der Bevorzugung eines bestimmten Kreises vorwiegend deutscher Kleinmeister festgestellt. Persönliche Beziehungen vieler dieser Komponisten nach Wittenberg werden nachgewiesen oder wahrscheinlich gemacht. Vorwiegend in diesem als "Neues Wittenberger Repertoire" bezeichneten Musikvorrat haben sich die Werke Thomas Stoltzers erhalten, deren Vermittler nach Wittenberg mutmaßlich drei Humanisten aus Ofen und ein Stoltzerschüler waren. Daraufhin haben vor allem Stoltzers 4 deutsche Psalmmotetten in Mitteldeutschland Schule gemacht; besonders in den deutschen Motetten von J. Reusch, V. Rab, D. Köler, W. Walter u. a. spiegeln sich die religiös-politischen Kämpfe des Schmalkaldischen Krieges (1547) und der Interimszeit (1548-1552) wider. Die Universitätsbibliothek Wittenberg wird als Aufbewahrungsort zahlreicher Musikalien nachgewiesen, hypothetisch werden in ihr Musikstammbücher (ähnlich Dresden, Mus. Löb 8 und 70) als Quelle für weitere deutsche Handschriften-Musiksammlungen angenommen. Als Anlage ist beigegeben des Verfassers zweibändiger Katalog "Die Musik-Sammelhandschriften des 16. und 17. Jahrhunderts in der Sächsischen Landesbibliothek zu Dresden".

Personen

Orte