Mainka, Jürgen: Zur Vorstellung von musikalischer Tradition am Beginn unseres Jahrhunderts. - In: Deutsches Jahrbuch der Musikwissenschaft, für 1972. Jg 17. - Leipzig: Edition Peters 1974, S. 25-51.
In der musikalischen Entwicklung des XX. Jahrhunderts werden ästhetische Wertungen zu großen Teilen und in neuartiger Weise durch historische Kriterien bestimmt. Es entsteht das Problem sogenannter "historischer Legitimation". Eine Schein-Alternative bilden die Vorstellungen bloßer "materieller" Progression einerseits und Bewußtseins-Entwicklung leugnender "Ontologie" andererseits. Man kann sagen, daß wie Schönberg besonders erstgenannte so Strawinsky besonders letztgenannte Tendenzen exponierte. Die Berührungspunkte mit anderen Künsten sind deutlich, nicht zuletzt auch mit der Literatur (Musikphilosophie im Werk Thomas Manns, Hermann Hesses). - Die Ausführungen zum Thema erläutern einige Widerspiegelungen (nicht Parallelen) genannter Tendenzen in der erzählenden Literatur. Die in den meisten ästhetischen Wertungen wirksame Vorstellung heiterer, "freier" Repristination oder strenger historischer Determiniertheit kann so auch in ihrer Relation zu musikalischen Strukturen stärker festgelegt und eine "vom Kopf auf die Füße gestellte" Auffassung der Entwicklung musikalischen Materials (Hanns Eisler) präzisiert werden.
Personen
- Jürgen Mainka Autor*in