Emmrich, Christian: Elend und Größe des Menschen in der deutschen Literatur des 17. Jahrhunderts. - In: Heinrich Schütz und seine Zeit. - Berlin: Kulturbund der DDR, 1974. - S. 62-73.
Ausgehend vom Stilbegriff des "Barock", wird in Verbindung mit der politischen und sozialen Situation das Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit im 16. und 17. Jahrhundert beleuchtet und versucht, wesentliche progressive Strömungen der deutschen Literatur, die letztlich zu einer deutschen Nationalliteratur und zur Ausbildung literarischer Grundgattungen in Lyrik, Dramatik und Epik beitrugen, aufzuzeigen. Befruchtender Ansatz war der rezeptive Austauschprozeß mit humanistischen europäischen Nationalstaaten fortgeschrittener bürgerlicher Nationen. Zielstellung für Dichter wie M. Opitz und A. Gryphius war die Überwindung des Neulateinischen als Kunst- und Gelehrtensprache und die Besinnung auf den volksverbundenen Charakter der deutschen Sprache. Gesellschaftliche Widersprüche wurden, trotz bereits verbreiteter naturwissenschaftlicher Erkenntnisse, primär im Spiegel der Religion gesehen, obwohl bereits vermenschlichte und pantheistische Züge das Gottesbild dieser Epoche prägen. Die Profilierung eines Zeitbildes des Menschen dieses Jahrhunderts gipfelt in der Proklamation des "Erkenne dich selbst" (Grimmelshausen, Gryphius) und bildet gleichzeitig den Ausgangspunkt für geistesgeschichtliche Entwicklungen der Aufklärung.
Personen
- Christian Emmrich Autor*in