Köhler, Siegfried: Heinrich Schütz in Venedig: die Bedeutung der musikalischen Renaissance für sein Werk. - In: Heinrich Schütz und seine Zeit. - Berlin: Kulturbund der DDR, 1974. - S. 26-37.
Die Renaissance als ideologische und kulturelle, die Welt des Mittelalters ablösende Epoche findet in der europäischen Musik um 1600 ihren Höhepunkt, zu einem Zeitpunkt, an dem andere Künste ihre renaissancehafte Ausformung bereits überschritten haben. Die Individualisierung des musikalischen Ausdrucks, die aus der realistischen Betrachtung der gesellschaftlichen Verhältnisse erwächst, führt zur Schaffung gänzlich neuer Formen (Oper, Solokonzert usw.). Der Realismus der Renaissancemusik Italiens trifft Schütz unmittelbar, entspricht in Vollkommenheit seinen eigenen künstlerischen Vorstellungen und wird bestimmend für seine gesamte weitere Entwicklung. Schütz ahmt den italienischen Duktus aber nicht nach, sondern gewinnt ihm derart eigengeprägte Züge ab, daß er zu einem der bedeutendsten Baumeister der Musik des 17. Jahrhunderts im Raum nördlich der Alpen wurde.
Personen
- Siegfried Köhler Autor*in