Goldschmidt, Harry: Claudio Monteverdi. - in: Sonntag, Ausg. Nr. 31 vom August 1967.
Der vorliegende Beitrag ist der Nachdruck eines Gedenkvortrages, den der Autor anläßlich eines Konzerts in der Deutschen Staatsoper Berlin mit Werken von Claudio Monteverdi hielt. Nach einleitenden kulturkritischen Betrachtungen, in deren Mittelpunkt die Frage nach der Lebensdauer großer Kunstwerke und die Forderung nach Überprüfung der Auswahlkriterien für die Werkrezeption stehen, würdigt der Autor die Leistungen Monteverdis. Die Zeit Monteverdis ist die Zeit eines ungeheuren Stilwandels. "Monteverdi hat diese Entwicklung", so führt der Autor aus, "nicht wie ein Naturgeschehen passiv oder unreflektiert über sich ergehen lassen. Er hat entscheidend in sie eingegriffen, ja seine universale Persönlichkeit erscheint wie ein Fokus, in dem sich die historische Umwälzung vollzog. Kein zweiter Meister wäre zu nennen, bei dem sich der weitgestreckte Übergang vom Madrigal über die Monodie zur geschlossenen Dacapo-Arie, bis zur Nummern-Oper überhaupt, vom fünfstimmigen A-cappella-Satz über den Basso seguente zum konzertanten Instrumentalcontinuo, von der vokalen zur instrumentalen Denkweise, von der harmonischen zur rhythmischen Affektensprache in so lückenloser Kontinuität darstellen ließe." (Z)
Personen
- Harry Goldschmidt Autor*in