Meinel, Hermann: Musikalisch-technische Probleme des Geigenbaus. - In: Newsletter of the Catgut Acoustical Society (USA). (1975) 23, S. 27-29.
Die große Bedeutung der Holzdicken eines Geigenkörpers für dessen Klang ist durch empirische und praktische Untersuchungen hinreichend bekannt. Eine symmetrische Verteilung der Holzdicken im Korpus, wie sie im heutigen Geigenbau ohne kritisches Nachdenken häufig angestrebt wird, entbehrt jeder Begründung. Das Problem der unsymmetrischen Holzdicken ist das Hauptproblem des Geigenbaues und sein schwierigstes überhaupt. Automatische und konstante Stärken für die Dickung von Boden und Resonanzboden sind für einen klanglich genügenden Nachbau nicht anzugeben, da sie bei jedem Instrument verschieden sind. Bereits italienische Geigenmacher stellten ausführliche mathematische Regeln auf, nach denen man die geometrischen Formen eines Geigenmodells genau bestimmen konnte. Später wurde auch im italienischen Geigenbau der Bau der Wölbungen der einzelnen Instrumente auf eine mathematische Grundlage gestellt, so daß man genau die mathematischen Regeln fand, die den Geigenmodellen von Stradivari, Guarneri del Gesù u. a. zugrunde lagen.
Personen
- Hermann Meinel Autor*in