Bericht 1968

Eintrag 150

BERICHT über die musikwissenschaftlichen Arbeiten in der Deutschen Demokratischen Republik

Diss.1968
Zum Bericht 1968

Richter, Renate: Tonalitätsvorrat der Elisabethanischen Liedkanzone - eine tonale und harmonische Analyse der engl. "ballets" und "canzonets" um 1600. - Diss., Leipzig 1968. 125 S.

Die Studie sucht tonale Erwartungsmuster in volkstümlicher Musik um 1600 und tonale Gewohnheiten Englands. Musiksoziologische und anglistische Gesichtspunkte geben Anlaß. Englands Eigenständigkeit im tonalen Aufbruch - auch in der Contratenor-Praxis - neu zu beleuchten. Zwei Kapitel bieten eine detaillierte tonalharmonische Analyse aller Kanzonen der "English Madrigal-School”. Als Ergebnis steht folgende Definition: Tonalität erscheint als dreiklangsmäßige Quinttonalität mit schon teilweiser funktioneller Sinnfälligkeit. Besonders im homophonen Satz erfährt die Kadenz eine Verdichtung, wird ihre doppelte Funktionsqualität intensiviert und bezeugt die Großplanung mit möglicher Quintfortschreitung und kühner Dissonanzbehandlung das neue Harmoniebewußtsein. Dennoch findet eine Konsolidierung der Dur-Moll-Tonalität noch nicht statt, da weder bewußte Geschlechtertrennung noch grundsätzlich funktionell sinnfällig Nebenstufen nachweisbar sind. England ist aber in seiner Haltung um 1600 nicht nur Filiale Italiens, sondern eigenständig und verpflichtend vorbildlich.

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