Griesbach, Karl-Rudi: Errungenschaften und Grenzen neuer Musiktheorie. — In: Musik u. Gesellschaft. 18 (1968), S. 454-458.
Kenn Ernst Kurth die tongebundenen Klüfte der "Zeitkunst" Musik als Gegensätze aufspürt, die aus dem musikalischen Verlauf ihre polaren Spannungen zogen, so fand Faul Hindemith praktikable Kriterien der Bewegungs- und Beharrungsenergien; den Sekund- und Stufengang. Doch schränkte er die praktische Nutzanwendung dadurch ein, daß er in Richtung auf die Beziehung von Gestalt und Ergebnis seiner Meßmethoden nur summarische Angaben gemacht hat. Der Artikel stellt sich die Aufgabe, anhand von Notenbeispielen differenziertere Beurteilungsmöglichkeiten ausfindig und nutzbar zu machen und kommt zu folgenden Ergebnissen: Eine reichhaltige und wechselvolle Disposition von Bewegungs- und Beharrungskräften einer Melodik verbürgt 1. eine Sekundbewegung, die zwischen Sekundschritt und Sekundgang unterscheidet, auf Thesis und Arsis vor sich geht und auf Komprimierung und Verbreiterung der Abstände bedacht ist; 2. einen Stufengang, der seine Herkunft aus harmonischen Zellen (Grundtöne von Intervallen) und aus harmonischen Feldern (Grundtöne von Dreiklängen oder Akkorden) nicht verleugnet und Schritte und (verschiedenartige) Sprünge aufweist.
Personen
- Karl-Rudi Griesbach Autor*in